Energieberg 1Am 26. Januar hatten wir die Möglichkeit den "Energieberg", eine ehemalige Mülldeponie im Karlsruher Hafen zu besichtigen. Diese wird mittlerweile auf unterschiedlichste Art und Weise zur unkonventionellen Stromerzeugung genutzt. Auf ihr stehen drei Windkraftanlagen, am Südhang sind Photovoltaikmodule installiert und das Deponiegas wird gesammlt und in einem Blockheizkraftwerk verstromt.

 

Pünktlich um 13 Uhr empfängt uns Frau Dresen an der Pforte der alten Mülldeponie. Sie beginnt uns direkt zu zuzeigen, wovor wir uns befinden und nennt einige Eckdaten zum Gelände. Die ca. 20 Teilnehmer folgen ihr aufmerksam und stellen die ersten Fragen.

Von 1950 bis 2005 wurde dort der Restmüll aus Karlsruhe abgelagert. Man begann aber schon in den 1990er Jahren den Berg mit einer dicken Plane zu versiegeln. Diese Plane (etwa 5 cm dick) verhindert, dass Regenwasser in den Berg eindringt und gleichzeitig, dass das entstehende Gas in die Umwelt entweicht. Das Regenwasser könnte giftige Stoffe aufnehmen und ins Grundwasser leiten. Aktuell wird das Gelände nur noch als Zwischenlager für Sperrmüll genutzt. Dieser wird anschließend per Schiff nach Mannheim gebracht.
Man erkannte recht schnell, dass es sich lohnt, das entstehende Gas abzusaugen und in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) direkt am Fuße des Berges zu verbrennen. Daher wird der Berg ständig unter Unterdruck gehalten. Seit einigen Jahren wird das Gas (zu ca 75% aus Methan bestehend) allerdings an die Karlsruher Verkehrsbetriebe, ein direkter Nachbar, verkauft. Dort wird es seitdem in einem eigenen BHKW verbrannt. Damit werden ca. 1/20 der Karlsruher S-Bahnen mit Strom und 100% der Gebäude der VBK im Rheinhafen mit Wärme versorgt.


Auf dem Berg befinden sich drei Windkraftanlagen und eine Photovoltaikanlage. Durch Setzung und der Gasentstehung hat sich der Berg seit einigen Jahren um 1-1,5 Meter gesenkt. Man rechnet in den kommenden 15 Jahren mit weiteren 50 cm. Dies führte auch dazu, dass sich eine der Windanlagen um 3° geneigt hat. Obwohl alle drei auf einem extra für diesen Anwendungsfall entwickelten Fundament befinden, werden sie drei bis vier mal im Jahr ausgemessen. Auch an der Solaranlage erkennt man, dass sich der Berg in einer ständigen Setzung befindet. Die Panels müssen oft ausgetauscht werden, da sie springen.

Während wir den Berg erklimmen erklärt uns Frau Dresen, dass sie einen kleinen Vertrag mit einem hiesigen Hirten haben. Dieser kommt alle drei Monate mit seiner Heerde und sorgt dafür, dass das Gras nicht zu hoch wird. Dennoch müssen die Stadtwerke zwischen, und v.a. unter, den Solarpanels das Unkraut regelmäßig mähen. Oben auf dem Berg angekommen können wir die Abdeckplane genauer unter die Lupe nehmen. Schnell wird uns klar, dass diese einiges aushält. Obwohl sie dort seit gut 15 Jahren ununterbrochen der Sonne ausgesetzt ist, zeigen sich kein Anzeichen der Ermüdung.

Leider ist das Wetter etwas diesig, weshalb wir nicht weit in die Ferne schauen können. Der Ausblick reicht gerade soweit, dass wir die Vogeesen und den Schwarzwald am Horizont erahnen können. Frau Dresen erzählt uns, dass sie bei gutem Wetter schon das AKW Phillibsurg und sogar die Dampfwolken des AKWs in Neckarwestheim sehen konnte.

Nach guten zwei Stunden befinden wir uns wieder am Fuße des Berges und nutzen noch die Glegenheit uns als Kollektiv auf der LKW-Waage wiegen zu können. Wir klären noch einige letzte Fragen, sehnen uns aber schon nach einem warmen Café um uns aufzuwärmen. Alles in allem hatten wir einen schönen Blick von der höchsten Erhebung im Oberrheingraben und einen guten Einblick, wie Erneuerbare Energien auf nicht nutzbaren Flächen eingesetzt werden können. Es tut gut zu sehen, dass man sich inzwischen Gedanken macht darüber, was mit unserem Müll passiert und wie man große Mülldeponien nachhaltig nutzen kann.

techn. Daten:

Wind­müh­len­berg

  • Leistung der Windkraft­an­la­gen: WKA I (1999): 750 kW, WKA II (2000): 750 kW, WKA III (2003): 1.500 kW
  • Stromer­zeu­gung: ca. 3,8 Mio. kWh/a (Durch­schnitt der Jahre 2007 bis 2011)
  • CO2-Einsparung: 2.100 t/a

Photo­vol­taik­an­la­ge

  • Teil des Solarparks I
  • Inbetrieb­nahme: 2005
  • Leistung: 432 kWp
  • Stromer­zeu­gung: 440.000 kWh/a
  • CO2-Einsparung: 250 t/a

Momentan ist der Transformator der ältesten Anlage (WKA I, 1999 ans Netz gegangen) außer Betrieb. Diese Anlage wird in der nächsten Zeit durch eine neue, leistungsstärkere ersetzt. Momentan steht noch nicht fest, ob dadurch auch die Anlage II ersetzt werden soll. Es wird noch geklärt, ob die beiden sich dann gegenseitig im Wind stehen würden.

Wir von kine bedanken uns herzlich für die tolle Führung bei Frau Dresen und bei all den motivierten Teilnehmern, die dem nicht so guten Wetter getrotzt haben.