Ende Juni organisierte kine eine Exkursion, bei der 16 Studenten spannende Einblicke in die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Nutzung von Wasserkraft bekamen.

Erste Stationen der Exkursion war das größte Laufwasserkraftwerk in Deutschland an der Staustufe Iffezheim südlich von Karlsruhe. Als letztes der Stauwehre am Oberrhein zwischen Basel und Karlsruhe hat Iffezheim eine besondere Aufgabe, da es den Pegel des folgenden Flusslaufs regelt. Für die Schifffahrt muss eine vorhersehbare Entwicklung des Pegelstands sichergestellt sein, damit diese jederzeit mit optimaler Beladung verkehren kann. Daneben wird die Kraft des Wassers von der EnBW und der EDF zur Stromerzeugung genutzt. 1978 gingen die ersten vier Kaplan-Rohrturbinen mit einer Leistung von je 27 MW ans Netz. 2013 kam eine fünfte Maschine mit 38 MW dazu. Da die Turbinen ständig vom Wasser durchströmt werden, gelten sie als Grundlastkraftwerk, mit einer jährlichen Energieerzeugung von ca. 860 GWh, mehr als alle Karlsruher Bewohner in einem Jahr verbrauchen.
Eine gerade in Revision befindliche Turbine konnte die Exkursionsgruppe direkt betrachten, wobei die enormen Dimensionen deutlich wurden. Auf dem Flussgrund stehend, zeigte ein Blick durch einen Lüftungsspalt auf die 30m höher gelegene Dammkrone. Aufgrund der aktuellen Hochwasserlage hatten sich auch beeindruckende Mengen von Schwemmgut vor dem Damm angesammelt, die mehrmals täglich von einem Kran beseitigt werden müssen. Neben der technischen Besichtigung bot sich auch die Möglichkeit mit einer kompetenten Mitarbeiterin der EnBW über die aktuelle Lage des Energiesektors zu diskutieren.

Nachmittags ging es dann in den Südschwarzwad nach Wehr zu einem Speicherkraftwerk der Schluchseewerke. Pumpspeicher-Kraftwerke spielen eine wichtige Rolle im europäischen EnergiesystemW Wetterabhängige Schwankungen in der Erzeugungsleistung erneuerbarer Energien erfordern einen kurzfristigen Ausgleich, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Diese Art des Energiespeichers speichert Strom als potentielle Energie von großen Wassermassen, indem es diese von einem unteren Reservoir in ein Oberbecken pumpt. Wird dagegen Energie benötigt, wird das Wasser vom Oberbecken wieder durch große Wasserturbinen nach unten geleitet. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist dabei im Vergleich zu anderen Kraftwerkstypen sehr hoch.

Auf dem Hornbergrücken befindet sich ein 4,4 Mio. Kubikmeter fassendes Becken, bei einer maximalen Turbinenleistung des Pumpspeicherkraftwerks von 900 MW ergibt dies einen Speicherinhalt 7,3 Mio. kWh. Dies entspricht der Kapazität der Batterien von 350.000 Elektroautos (BMW i3). Von diesem Oberbecken führt eine Druckleitung senkrecht 700 m hinab ins Gestein, dort arbeiten in einer großen Kaverne vier Maschinensätze (jeweils mit Turbine, Pumpe und Generator), welche die Exkursionsgruppe besichtigen konnte. Das genutzte Wasser wird in das Unterbecken im Wehratal geleitet bzw. diesem entnommen. Ein Ingenieur des Betreibers Schluchseewerke AG beantwortete Fachfragen und ging auch auf mögliche Ausbaupläne der Pumpspeicher im Südschwarzwald mit ein.